Studien verstehen
Abnehmen mit Cissus? Die Gewichtsstudien kritisch gelesen
Bis zu 11 % weniger Gewicht in 8 Wochen: Die Cissus-Studien zum Abnehmen klingen spektakulär. Wir haben die Originaltabellen nachgelesen.
Veröffentlicht am 25. Oktober 2026 · 10 Min. Lesezeit
„Abnehmen mit Cissus“ ist ein beliebtes Suchthema, und auf Infoblättern liest man von einer Doppelblindstudie, die eine signifikante Gewichtsreduktion, normalisierten Blutzucker und gesenktes Cholesterin zeigt. Wir haben uns die Studien genauer angesehen.
Woher die Studien kommen
Fast alle Gewichtsstudien mit Cissus stammen aus einem überschaubaren Kreis von Forschenden um Julius Oben (Universität Yaoundé, Kamerun) und später Dieudonne Kuate (Malaysia). Verwendet wurden vor allem:
- Cylaris, eine Mischung aus Cissus, Grüntee, Soja, Selen, Chrom und B-Vitaminen,
- CQR-300, ein standardisierter Cissus-Extrakt,
- eine Kombination aus Cissus und Irvingia gabonensis (afrikanische Buschmango).
Was berichtet wird
Cylaris (Oben et al. 2006, 92 Personen, 8 Wochen): 6,9 % Gewichtsverlust ohne Diät, 8,5 % mit Diät, gegenüber 2,4 % unter Placebo. Dazu bessere Blutfettwerte und weniger CRP. Zusammengefasst unter anderem in der Übersicht von Greenway & Bray.
CQR-300 (Kuate et al. 2015, 61 Personen, 8 Wochen): 8,4 % bei Übergewichtigen und 11,3 % bei Adipösen, mit nur 300 mg pro Tag. Unsere ausführliche Analyse: Kuate et al. 2015.
Fünf Gründe für Zurückhaltung
1. Die Effekte sind außergewöhnlich groß
Mehr als 10 % Gewichtsverlust in zwei Monaten durch einen Pflanzenextrakt, ohne strenge Diät: Wäre das robust, wäre Cissus eines der wirksamsten Abnehmmittel überhaupt. Außergewöhnliche Ergebnisse brauchen außergewöhnlich gute Belege.
2. Die Gruppen waren nicht vergleichbar
In der CQR-300-Studie wogen die Cissus-Gruppen zu Beginn deutlich mehr als die jeweiligen Placebogruppen, bei den Adipösen fast 9 kg. Bei einer sauberen Zufallszuteilung sollte das nicht passieren. Wer schwerer startet, nimmt unter Ernährungsberatung oft auch stärker ab.
3. Fehler in den Tabellen
Blutzucker in „mg/dL“ mit Werten um 4 (das wären lebensbedrohlich niedrige Werte; gemeint sind wohl mmol/L), Serotonin in „g/L“, auffallend kleine Streuungen. Solche Fehler hätten im Begutachtungsprozess auffallen müssen.
4. Kaum unabhängige Bestätigung
Die Ergebnisse stammen von wenigen, miteinander verbundenen Gruppen. Große, unabhängige Studien in Europa oder Nordamerika gibt es unseres Wissens nicht.
5. Kombinationspräparate
Bei Cylaris steckt neben Cissus unter anderem Grüntee-Extrakt drin. Welcher Bestandteil wie viel beiträgt, ist nicht zu trennen.
Und die Ketosteroide?
Spannend für unser Kernthema: Der Cissus-Extrakt in diesen Studien war laut der Übersicht von Greenway & Bray auf 2,5 % Ketosteroide und 15 % lösliche Ballaststoffe standardisiert. Wer heute ein Produkt mit „40 % Ketosteroiden“ kauft, kauft also etwas anderes als das, was in diesen Studien getestet wurde. Die Studienergebnisse lassen sich nicht einfach übertragen. Mehr dazu: 20 % oder 40 % Ketosteroide.
Sicherheit: Blutzucker im Blick behalten
Einige Studien berichten eine Senkung des Nüchternblutzuckers. Für Gesunde ist das kaum relevant, für Menschen mit Diabetes-Medikamenten aber schon: Mehrere blutzuckersenkende Mittel zusammen können zu Unterzuckerung führen. Wer Diabetes hat, sollte Cissus nur nach Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt nehmen. Siehe Sicherheit & Wechselwirkungen.
Fazit
Die Gewichtsstudien zu Cissus sind ein interessantes Signal, aber methodisch schwach und kaum unabhängig bestätigt. Für die Aussage „Cissus hilft beim Abnehmen“ reicht das nicht. Gesundheitsbezogene Werbeaussagen dieser Art sind für Cissus in der EU auch nicht zugelassen.
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