Studien verstehen

500 mg pro Kilo Ratte: Wie man Tierstudien richtig liest

Viele Aussagen über Cissus stammen aus Tierversuchen. Wir erklären, wie man Dosen von der Ratte auf den Menschen umrechnet und warum „wirkt bei Ratten“ nicht „wirkt bei dir“ heißt.

Veröffentlicht am 25. Oktober 2026 · 6 Min. Lesezeit

„Studien zeigen, dass Cissus die Knochenheilung beschleunigt.“ Solche Sätze liest man oft. Fragt man nach, stellt sich meist heraus: Es waren Ratten. Das macht die Studien nicht wertlos, aber man muss sie richtig lesen.

Warum überhaupt Tierversuche?

Tiermodelle erlauben Dinge, die beim Menschen nicht gehen: Knochen gezielt brechen, Organe nach der Behandlung untersuchen, Bedingungen streng kontrollieren. Sie sind ein wichtiger Schritt, um Hinweise zu prüfen, bevor man aufwendige Studien mit Menschen startet.

Die Dosis-Falle

Tierstudien geben Dosen meist in mg pro kg Körpergewicht an. Eine Ratte mit 250 g, die 500 mg/kg bekommt, erhält 125 mg. Klingt wenig. Aber man kann das nicht einfach linear auf einen 70 kg schweren Menschen übertragen, weil kleine Tiere einen viel schnelleren Stoffwechsel haben.

In der Pharmakologie rechnet man deshalb über die Körperoberfläche. Für die Umrechnung Ratte → Mensch teilt man die Dosis grob durch 6,2:

Rattendosis entspricht beim Menschen etwa bei 70 kg
200 mg/kg 32 mg/kg ca. 2,3 g/Tag
500 mg/kg 81 mg/kg ca. 5,7 g/Tag

Zum Vergleich: Typische Kapselprodukte liefern 250 bis 1.000 mg Extrakt pro Tag. Die Tierstudien zu Cissus verwenden also oft ein Mehrfaches dessen, was Menschen üblicherweise einnehmen, und häufig andere Extrakte als die im Handel.

Das richtige Modell?

Jedes Tiermodell bildet nur einen Ausschnitt ab:

  • Ratten ohne Eierstöcke simulieren Knochenschwund nach den Wechseljahren (Potu 2010).
  • Kastrierte männliche Ratten dienen dazu, hormonähnliche Wirkungen zu erkennen (Jadhav 2016).

Ein gesunder Mensch, der ins Fitnessstudio geht, entspricht keinem dieser Modelle.

Kleine Gruppen, große Effekte

Tierstudien arbeiten oft mit 6 bis 10 Tieren pro Gruppe. Bei so kleinen Gruppen können Zufallsbefunde leicht signifikant erscheinen. Dazu kommt Publikationsbias: Studien mit positiven Ergebnissen werden eher veröffentlicht als solche ohne Effekt.

Vier Fragen an jede Tierstudie

  1. Welches Tier, welches Modell? Passt es zu der Frage, die mich interessiert?
  2. Welche Dosis, umgerechnet? Ist das realistisch für eine Kapsel?
  3. Welcher Extrakt? Ist er mit dem Produkt vergleichbar, das ich kaufen würde?
  4. Wurde das am Menschen bestätigt? Wenn nein: Hinweis, kein Beweis.

Fazit

Tierstudien sind wertvoll, um Wirkmechanismen zu verstehen und Forschung zu lenken. Wer aber aus „wirkt bei Ratten“ ein „wirkt bei dir“ macht, verspricht mehr, als die Forschung hergibt. Bei jeder Studie auf dieser Seite markieren wir deshalb deutlich, ob Tiere, Zellen oder Menschen untersucht wurden.

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