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Cissus und Gelenke im Training: Was die Studienlage hergibt

Krafttraining, Laufen, Kampfsport: Viele greifen bei Gelenkbeschwerden zu Cissus. Wir zeigen, was es dazu an Forschung gibt und welche Fragen offen sind.

Veröffentlicht am 25. Oktober 2026 · 8 Min. Lesezeit

In Bodybuilding-Foren hat Cissus quadrangularis einen fast legendären Ruf: Es soll Gelenke, Sehnen und Bänder schützen, schmerzende Ellbogen beruhigen und Verletzungen schneller heilen lassen. Woher kommt dieser Ruf, und was steckt dahinter?

Der Ursprung des Rufs

Die Pflanze wird in Indien seit Jahrhunderten bei Knochenbrüchen eingesetzt, ihr Hindi-Name Hadjod bedeutet sinngemäß „Knochenverbinder“. Dazu kommen Laborstudien, die eine entzündungshemmende Wirkung zeigen, und Tierstudien zur Knochenheilung. In den 2000er-Jahren entdeckte die Sporternährungsbranche die Pflanze und bewarb sie massiv, allen voran mit dem Produkt „SuperCissus“.

Die eine Studie mit Sportlern

Die Studie, auf die sich fast alle Werbeaussagen zu Gelenken stützen, ist Bloomer et al. 2013:

  • 29 trainierte Männer mit Gelenkbeschwerden durch Training
  • 3.200 mg Cissus täglich über 8 Wochen
  • Ergebnis: 31 % weniger Beschwerden im WOMAC-Fragebogen

Das klingt überzeugend. Der Haken: Geplant war eine Placebogruppe. Durch einen Fehler beim Hersteller bekamen aber alle Teilnehmer Cissus. Es gibt also keinen Vergleich mit Menschen, die nichts genommen haben. Mitfinanziert wurde die Studie vom Hersteller des Produkts.

Warum der fehlende Placebovergleich so schwer wiegt

Bei subjektiven Messgrößen wie Schmerz sind Placeboeffekte stark. In Studien zu Kniearthrose verbessert sich die Placebogruppe regelmäßig deutlich, Übersichtsarbeiten beschreiben den Placeboeffekt bei Arthroseschmerz als ausgeprägt. Hinzu kommt: Menschen melden sich zu Studien meist, wenn ihre Beschwerden gerade stark sind, und Beschwerden schwanken. Ein Teil der Besserung wäre also wohl ohnehin eingetreten.

Die 31 % aus der Bloomer-Studie liegen damit in einem Bereich, der auch ohne jede Wirkung von Cissus erklärbar wäre. Ausgeschlossen ist eine Wirkung damit nicht, belegt aber auch nicht.

Was Labor und Tierversuche beitragen

  • Entzündung: Cissus-Extrakte hemmen im Reagenzglas die Entzündungsenzyme COX und 5-LOX (Bhujade 2012) und dämpfen Entzündungssignale in Immunzellen (Srisook 2011).
  • Knochen: Bei Ratten wurden Knochen mit Cissus-Extrakt bruchfester (Potu 2010).

Das sind plausible Mechanismen. Ob die Konzentrationen nach dem Schlucken einer Kapsel ausreichen, ist offen.

Und Sehnen und Bänder?

Hier ist die Studienlage noch dünner. Für die Heilung von Sehnen- oder Bandverletzungen beim Menschen haben wir keine kontrollierte Studie gefunden. Aussagen wie „heilt Sehnen in kürzester Zeit, oft ohne Operation“, die man auf manchen Infoblättern liest, sind durch Studien nicht gedeckt und in der Werbung für Nahrungsergänzungsmittel auch nicht zulässig.

Praktische Einordnung für Trainierende

  1. Gelenkschmerzen sind ein Signal. Anhaltende Beschwerden gehören ärztlich oder physiotherapeutisch abgeklärt, bevor man sie mit Ergänzungsmitteln „behandelt“.
  2. Trainingssteuerung wirkt nachweislich. Belastung dosieren, Technik verbessern, Erholung einplanen.
  3. Wenn du Cissus ausprobieren möchtest: Wähle ein Produkt mit klaren Angaben (siehe Checkliste), beobachte dich über einige Wochen ehrlich und beachte die Sicherheitshinweise, besonders wenn du Medikamente nimmst.
  4. Erwartungen realistisch halten. Es gibt bisher keine placebokontrollierte Studie, die eine Wirkung auf Gelenkbeschwerden bei Sportlern zeigt.

Fazit

Der Ruf von Cissus bei Gelenkproblemen beruht auf Tradition, Laborbefunden und einer einzigen, methodisch geschwächten Humanstudie. Das ist ein Ausgangspunkt für Forschung, keine Grundlage für Versprechen.

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