Studie zerlegt · Knochen

Benjawan et al. 2022: Cissus bei Frauen mit beginnendem Knochenschwund

Die bisher wichtigste kontrollierte Humanstudie zu Cissus und Knochen: 108 Frauen nach den Wechseljahren, 24 Wochen, zwei Dosierungen gegen Placebo.

Randomisierte Studie Benjawan S, Nimitphong H, Tragulpiankit P, Musigavong O, Prathanturarug S, Pathomwichaiwat T · Phytomedicine 101: 154115 · 2022
Intervention
1,2 g oder 1,6 g Cissus quadrangularis täglich, oder Placebo

Kurz gesagt: Die Knochendichte unterschied sich nach 24 Wochen nicht von Placebo. Die Knochenumbau-Marker blieben unter Cissus stabiler, was auf einen gebremsten Knochenabbau hindeuten könnte.

Grundlage unserer Analyse: Kurzfassung und Sekundärquellen (Volltext folgt)

Die Studie auf einen Blick

  • Untersucht 108 Menschen Frauen nach den Wechseljahren mit Osteopenie
  • Dauer 24 Wochen Balken: Anteil an einem Jahr
  • Dosis 1,2 oder 1,6 g pro Tag
  • Geldgeber unabhängig Mahidol-Universität, Bangkok; Finanzierung noch nicht im Volltext geprüft
Evidenz-Treppe
  1. Zellkultur
  2. Tierstudie
  3. Mensch ohne Vergleichsgruppe
  4. Mensch mit Placebogruppe ← diese Studie
  5. Zusammenfassung vieler Studien

Je höher die Stufe, desto besser lässt sich ein Ergebnis auf Menschen übertragen.

Aussagekraft-Check 3/5
  • Am Menschen : ja 108 Frauen nach den Wechseljahren
  • Placebogruppe : ja randomisiert gegen Placebo
  • Zwei Dosierungen : ja 1,2 g und 1,6 g, stärkster Effekt bei 1,6 g
  • Ausreichend lang : teilweise 24 Wochen, für Knochendichte eher kurz
  • Unabhängig bestätigt : nein eine indische Folgestudie ist kaum verwertbar
Ablauf
108 Frauen mit Osteopenie, Messung von Knochendichte und Umbau-Markern
1,6 g Cissus täglich, 24 Wochen
1,2 g Cissus täglich, 24 Wochen
Placebo täglich, 24 Wochen
Ergebnis: Umbau-Marker unter Cissus stabil, unter Placebo steigend; Knochendichte gleich

Warum diese Studie wichtig ist

Die meisten Knochenstudien zu Cissus wurden an Ratten gemacht oder an kleinen Gruppen mit Kieferbrüchen. Diese Studie ist randomisiert, placebokontrolliert und mit über hundert Teilnehmerinnen vergleichsweise groß. Sie ist deshalb die Studie, an der sich Aussagen zu Cissus und Knochenschwund beim Menschen messen lassen müssen.

Was gemacht wurde

  • 108 Frauen nach den Wechseljahren mit Osteopenie, also einer verminderten Knochendichte, die noch nicht als Osteoporose gilt.
  • Zufällige Verteilung auf drei Gruppen: 1,2 g, 1,6 g Cissus täglich oder Placebo.
  • 24 Wochen Behandlung.
  • Gemessen wurden die Knochendichte (Lendenwirbelsäule, Oberschenkelhals, Hüfte) und Knochenumbau-Marker im Blut: CTX (Abbau) und P1NP (Aufbau).

Ergebnisse

  • Knochendichte: kein signifikanter Unterschied zu Placebo an keiner Messstelle.
  • Knochenumbau: Unter Placebo stiegen beide Marker über die Zeit an, ein Zeichen für zunehmenden Umbau und Abbau. Unter Cissus blieb CTX stabil und P1NP sank. Am deutlichsten war das in der 1,6-g-Gruppe.
  • Verträglichkeit: keine Zunahme von Nebenwirkungen gegenüber Placebo.

Unsere Einordnung

Was die Studie zeigt: Cissus verändert beim Menschen messbar den Knochenstoffwechsel, und zwar in eine Richtung, die zu einem gebremsten Knochenabbau passen würde.

Was sie nicht zeigt:

  • Keine dichteren Knochen. Die Knochendichte ist der wichtigere, klinisch etablierte Messwert. Hier gab es keinen Unterschied.
  • Kurze Dauer. Knochendichte verändert sich langsam. Sechs Monate sind knapp, um Effekte zu sehen. Ob sich die Marker-Effekte nach Jahren in Knochendichte oder weniger Brüchen niederschlagen, ist offen.
  • Kein Ersatz für Therapie. Osteoporose-Medikamente senken nachweislich das Bruchrisiko. Für Cissus gibt es dazu keine Daten.

Hinweis zur Quelle: Diese Zusammenfassung beruht auf der Kurzfassung der Studie und auf der Übersichtsarbeit von Manocchio et al. 2026. Den Volltext werten wir noch aus.

Eine auffällige Folgestudie

2024 erschien im Journal of Pharmacy and Bioallied Sciences eine indische Arbeit zu Cissus bei Frauen mit Osteopenie (Sindhu Priya et al.). Ihre Kurzfassung beschreibt fast wortgleich dieselben Ergebnisse wie die thailändische Studie, nennt aber weder Dosis noch Gruppengrößen noch Zahlen. Wir werten sie deshalb nicht als eigenständige Bestätigung.

Mehr zur Gesamtlage: Cissus und Knochen.